Lidia Sybin vom Caritas-Migrationsdienst, Janett Fritsche und M. Cristina Lozano-Gòmez (von links) wollen enger für eine erfolgreiche Migrationsberatung kooperieren. Foto: Michelle Schneider/ Caritas
Die Migrationsberatungsdienste für erwachsene Zugewanderte (MBE) der Caritas-Kreisstelle und der Evangelischen Jugendsozialarbeit (EJSA e. V.) in Ingolstadt wollen Menschen aus anderen Ländern noch frühzeitiger als bisher beraten und dafür eng zusammenarbeiten. Das haben die Fachdienstleiterin der Caritas-Kreisstelle, Cristina Lozano-Gómez, und die verantwortliche Mitarbeiterin bei der EJSA, Janett Fritsche, mitgeteilt. Aktuelle politische Debatten und angekündigte Sparvorhaben setzen nach ihren Erfahrungen derzeit viele Migrationsprogramme unter Druck. Auch bei der Migrationsberatung gibt es Einschnitte: "Ab 1. Januar 2027 können Menschen, die bereits länger als drei Jahre in Deutschland leben, grundsätzlich nicht mehr im Rahmen der MBE beraten werden", informiert Cristina Lozano-Gómez. Bisher sei dies möglich gewesen, "wenn die Menschen einen besonderen Bedarf an nachholender Integration hatten. Dies konnte beispielsweise bei gesundheitlichen oder psychosozialen Belastungen, komplizierten Behördenwegen, Sprachschwierigkeiten oder fehlender Anerkennung von Qualifikationen der Fall sein", informiert die Caritasmitarbeiterin. "Mit der neuen Förderrichtlinie ist diese Möglichkeit nicht mehr vorgesehen."
Die Migrationsberatungen der Caritas und der EJSA in Ingolstadt werden sich daher laut Cristina Lozano-Gómez zu einem Austausch treffen und ein gemeinsames Vorgehen erarbeiten. Dabei geht es darum zu klären, welche Wege für Menschen bestehen, die auch nach drei Jahren weiterhin Unterstützung benötigen. "Wir wollen keinen Abschluss ohne Perspektive", so Cristina Lozano-Gómez. Ferner wollen beide Beratungsstellen Zugewanderte künftig noch früher erreichen. "Je früher dies der Fall ist, desto besser können sie beim Aufbau eines neuen Lebens in Deutschland unterstützt werden". Dafür soll die Zusammenarbeit mit verschiedenen Stellen verstärkt werden - etwa mit der Ausländerbehörde, dem Jobcenter, Sprachkursen, Arztpraxen und weiteren Kooperationspartnern. Auch mehrsprachige Informationen, Infoveranstaltungen, Sprechstunden und Beiträge in den sozialen Medien sollen den Zugang zur Beratung erleichtern.
Die MBE begleitet Zugewanderte in den ersten Jahren nach ihrer Ankunft - etwa beim Deutschlernen, bei Behördenwegen, bei der Orientierung im Arbeitsleben sowie bei Fragen zu kulturellen Unterschieden, Bildung, Familie, Gesundheit, Wohnen und gesellschaftlicher Teilhabe. "Sie bleibt ein wichtiges Beratungsangebot. Ziel ist es, den Zugang zu Regelangeboten zu vermitteln, Barrieren abzubauen und die Zusammenarbeit zwischen den relevanten Akteuren zu stärken. So soll verhindert werden, dass Menschen aus dem Unterstützungssystem herausfallen und nach Ablauf der Beratungsfrist ohne passende Hilfe bleiben", erklärt Janett Fritsche von der EJSA.